Wir: Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Jewgenij Samjatin

WERBUNG: Spieldauer: ca. 1 h 35 min – Verlag: DAV – Preis: 16,99 Euro (2 Audio CD)

 

 

 

„Nachdem der einzige Staat den Hunger besiegt hatte, führte er einen Krieg gegen den zweiten Beherrscher der Welt – die Liebe.“

 

 

 

Wir spielt im „Vereinigten Staat“, einem Gebilde, das nach einem 200-jährigen Krieg und der „allerletzten Revolution“ entstand. Dieser Staat besteht aus einer abgeschirmten Stadt, die von einer unüberwindbaren Mauer umgrenzt ist. Alle Häuser dieser Stadt besitzen Wände aus Glas. Heerscharen von „Beschützern“ wachen über das „Wohl“ jedes einzelnen Bewohners, deren Leben bis zum kleinsten Handgriff streng reglementiert ist. Über allen steht der übermächtige „Wohltäter“. Die Menschen besitzen keine eigenen Namen mehr, jeder trägt nur noch eine Nummer. Wer sich gegen die „Fürsorge“ seiner „Beschützer“ wehrt, wird öffentlich hingerichtet. Der Einzelne zählt nicht, einzig was zählt, ist das Kollektiv.

Das Hörspiel schildert die Ereignisse in Form von Tagebucheinträgen. D-503 (Andreas Pietschmann) ist Konstrukteur der Rakete Integral, eines Raumschiffes, das den Weltraum erobern und die Errungenschaften der „letzten Revolution“ exportieren soll. D-503 verherrlicht seinen Staat – so lange, bis er die Staatsfeindin I-330 (Jana Schulz) kennenlernt und sich in sie verliebt.

Der Roman entstand 1920. Auffallend sind etliche Parallelen zu späteren Diktaturen. Der übermächtige Wohltäter (Hanns Zischler) ist eine gottgleiche Gestalt, die über das „Wohl“ der Untertanen wacht und sich durch „Wahlen“ immer wieder vom Volk bestätigen lässt. Wir wird somit zu einer prophetischen Vision der Zeit des Stalinismus. Ähnlich wie Huxleys „Brave New World“ beschreibt Samjatin eine utopische Zukunftsgesellschaft, in der wirklich alles geregelt ist. Besonders heute aktuell in einer Zeit, in der Sicherheit lediglich als Vorwand zum Abbau von Freiheitsrechten missbraucht wird. Samjatin hat mit diesem Klassiker die Anti-Utopie als literarisches Genre neu begründet und die Werke u. a. von Aldous Huxley, George Orwell und Ray Bradbury quasi vorweggenommen bzw. stark beeinflusst. Die großartige Hörspielinszenierung von SWR2 zeigt eindrucksvoll, dass Samjatins Zukunftsroman nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Diese Rundfunkproduktion erhielt auch als Hörbuch einige der begehrtesten Auszeichnungen, u.a. den „Deutschen Hörbuchpreis“ und den Jahrespreis des „Preises der Deutschen Schallplattenkritik“.

Christoph Kalkowski vereint sehr feinsinnig als Regisseur alle Elemente der Produktion – Töne, Geräusche, Musik, Stimmen – zu einem fesselnden Klangerlebnis, „in dem das Werk auf beunruhigend gegenwärtige Weise kritische Wirkung entfaltet.“ (Aus der Begründung einer Jury)

Produktion: SWR 2014

Hörspielbearbeitung: Ben Neumann

Dramaturgie: Andrea Oetzmann

Hörspielmusik /Komposition: Raphael D. Thöne

Die Musik entstand in Zusammenarbeit mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter Leitung von Jonathan Stockhammer.

Regie: Christoph Kalkowski

(2 CDs ca. 1 h 35 min)

Über den Autor:

Jewgenij Samjatin, (1884–1937), schloss sich während seines Studiums als Schiffbauingenieurin Sankt Petersburg den Bolschewiki an. Er organisierte den Aufstand auf dem Panzerkreuzer Potemkin mit und beteiligte sich, nach der Februarrevolution 1917 aus der englischen Emigration nach Russland zurückgekehrt, aktiv an der Oktoberrevolution. 1920 beschrieb er in dem Roman Wir eine fiktive Gesellschaft, in der jegliche Individualität unterdrückt wurde. Durch diesen Roman zog er sich den Unmut der Parteiführung zu und erhielt Schreibverbot. Wir wurde 1924/25 in verschiedenen Sprachen im Ausland veröffentlicht, doch erst 1988 erschien das Werk in der Sowjetunion in vollständiger russischer Fassung. 1929, nach schlimmster Hetze gegen ihn, verließ Samjatin, der zu Beginn der 20er-Jahre eine Ausreisemöglichkeit abgelehnt hatte, den sowjetischen Schriftstellerverband. 1931 erhielt er die Erlaubnis Stalins nach Frankreich auszureisen. Jewgenij Samjatin starb 1937 in Paris.

Die Abnormen („Die Abnormen“-Serie 1): Thriller von Marcus Sakey

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WERBUNG: Seiten: 510 – Verlag: Amazon Crossing – Preis: 2,99 Euro

In Wyoming vermag ein kleines Mädchen, allein in der Art und Weise, wie jemand seine Arme verschränkt, daraus seine dunkelsten Geheimnisse ablesen. In New York gelingt es einem Mann, Muster im ständigen Auf und Ab der Börsenkurse zu erkennen, er rafft mit seiner Fähigkeit 300 Milliarden Dollar zusammen.  Man nennt diese Leute »Abnorme« oder »Geniale«, es sind alles Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Seit 1980 kommt ein Prozent aller Neugeborenen »abnorm« zur Welt – und seitdem ist alles anders. Einer von ihnen ist der Agent Nick Cooper. Seine Gabe macht ihn zum erfolgreichen Terroristenjäger, denn das moderne US-Amerika (wenn wundert’s?) wird von einer Welle von Terroranschlägen bedroht. Erzählt wird eine Geschichte aus einer fiktiven Welt in naher Zukunft, die abstoßend und erschreckend wirkt, die aber dennoch bereits unserer heutigen Welt frappierend ähnlich ist. Cooper wird auf den vielleicht gefährlichsten Mann der Welt angesetzt, einen Genialen, der bereits seinen nächsten brutalen Anschlag plant. Um an ihn heranzukommen, muss Agent Cooper gegen all seine eigenen Grundsätze verstoßen und andere seinesgleichen hintergehen.

Marcus Sakey (Jahrgang 1974) wird bereits als „moderner Meister der Spannung“ gehandelt (Chicago Sun-Times), er gilt sogar als „einer unserer besten Erzähler“ (Michael Connelly). Wer aber Buchrezensionen über seine Bestsellerkrimis in Zeitungsfeuilletons hierzulande lesen möchte, sucht sicher vergebens. Marcus Sakey ist im deutschen Buchhandel so was wie eine Persona non grata. Der Grund: Seine Werke erscheinen ausschließlich bei Amazoncrossing (und werden deshalb von den hiesigen Buchhändlern ignoriert).

Mit Die Abnormen hat er einen packenden Thriller geschrieben, der es wahrlich in sich hat. Ich habe mit dem Kindle gelesen und dann wieder parallel im Auto die Hörbuchfassung genutzt. Auch als Hörbuch konnte mich dieser Thriller dank der guten Stimme des Interpreten Torben Kessler absolut fesseln.

Wer erfahren möchte, wie ein gut geschriebener Thriller funktioniert, sollte dieses Buch als profundes Lehrbeispiel nutzen. Gleiches gilt auch für angehende Erfolgs-Autoren. Bestseller sind durchaus kalkulierbar.

Jetzt bin ich auf die weiteren Teile gespannt. Diese Literaturvorlage bietet sicher ausgezeichnetes Drehbuchmaterial für eine TV-Serie.