Tränentod: Thriller von Catherine Shepherd

WERBUNG: – 338 Seiten – Verlag: Kafel Verlag – Preis: (Der Aktionspreis kann sich ändern) 0,99 Euro

Dieses Buch liest sich sehr anstrengend, obwohl der Schreibstil der Autorin absolut geschmeidig ist; aber leider mangelt es allgemein an Erfindungs- bzw. Einfallsreichtum, an unvorhersehbaren Wendungen, am verruchten Charme, den nun mal ein gut geschriebener Thriller auszeichnen sollte. Aber davon ist kaum etwas zu spüren. Die Handlung (und damit auch der Leser) schleppen sich von Kapitel zu Kapitel nur mühsam voran. Echte Spannung will nicht wirklich aufkommen. Das ist sehr bedauerlich, denn die Grundidee des Buches ist eigentlich eine spannende Sache.

Nach dem ich bisher drei erschienene Bände aus dieser Reihe gelesen habe, war ich bereits schon nach dem 6. Band reichlich ermüdet und daher enttäuscht. Immerhin habe ich mich durch den niedrigen Einstiegspreis nochmals hinreißen lassen, ein weiteres Buch aus der Reihe zu erwerben und zu lesen. Im 7. Band gibt es wieder eine Mordserie, welche auf einer gemeinsamen Geschichte aus dem Mittelalter und unserer Gegenwart beruht. Auch treffen wir wieder auf Bastian und Anna. Der Wechsel zwischen den Handlungssträngen – Vergangenheit und Gegenwart – sorgt dafür, dass die ohnehin schon sehr flauschige Spannung immer wieder ausgebremst wird. Der Autorin gelingt es nicht wirklich, sich in der altertümlichen Sprache adäquat zu bewegen, so wie sie vor 500 Jahren gesprochen wurde. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Protagonisten im tiefsten Mittelalter denken und benehmen sich so lächerlich wie verkleidete Provinzschauspieler, die eine altertümliche Szene nachstellen sollen, sich aber in dieser Materie überhaupt nicht auskennen. Beim Lesen kommt zwangsläufig die Erinnerung an eine missglückte Historienverfilmung auf, in deren Handlung eine weit zurückliegende Epoche dargestellt werden sollte, die aber  das damalige Zeitkolorit weit verfehlte, da die Dialoge und die Denkungsart der Figuren nicht stimmig waren. Auch in diesem Buch sieht alles nach Schema F aus: Das Mittelalter ist finster, die Männer sind triebhaft und trinken Met, die Frauen sind treu und ergeben, und alle sind sie abergläubig. Ich denke an die Bestsellerverfilmung von „Die Wanderhure“, in der kein Klischee ausgespart blieb. Natürlich darf in diesem Schmöker nicht die Gier nach Gold und der Alchemismus fehlen – ach Gottchen, daraus kann nur ungewollte Komik entstehen. Die Figuren wirken nicht echt, auch wenn ihnen altertümliche Namen gegeben wurden. Und ein junger Mann, der im Örtchen Zons vor 500 Jahren den Vorläufertyp eines heutigen Kriminalkommissars abgeben soll, ist eigentlich bereits schon eine wahrhaft komische Figur.

Auch in den Kapiteln, die in unserer Gegenwart handeln, ist mir aufgefallen, dass die Kenntnisse der Autorin über das derzeitige duale Ausbildungssystem im Allgemeinen und über die Berufsausbildung zum Chemikanten im Speziellen nur ungenügend vorhanden sind. Auszubildende Chemikanten benötigen höchstens einen Hauptschulabschluss oder die mittlere Reife. Im Buch werden diese Personen allerdings so dargestellt, als wären sie Teilnehmer eines hochkomplizierten und komplexen Spezialstudiengangs.

Als Leser gewinnt man zwangsläufig den Eindruck, dass dieses Buch unter großem Zeitdruck produziert wurde. Es ist eindeutig für Serienjunkies bestimmt; für eine Fan-Base, die dringend am Lesefuttertrog festgehalten werden soll, bevor sie sich in alle Winde zerstreut. Immerhin sieht man sich ja als Erfolgsautor/in in der permanenten Pflicht, regelmäßig für ausreichenden Nachschub zu sorgen. Für Freunde von Historienschinken mag das Buch ja geeignet sein, nicht aber für Liebhaber gepflegten Thrills. Und über das Thema Lobotomie mag ich mich hier gar nicht erst äußern. Als ich dann noch diese Sätze las: „Die Schlinge um ihren Hals zog sich qualvoll zusammen. Vor ihren Pupillen tanzten grelle Blitze. Unwillkürlich schnappte sie (gemeint ist Elfriede – der Rezensent) nach Luft. Vergeblich, ihr Kehlkopf drückte sich nach innen. Sie konnte spüren, wie das Leben binnen weniger Herzschläge aus ihr wich.“ stellte sich in mir automatisch die Frage, ob das schon der Gipfel des Spannungsrepertoires des gesamten Thrillers gewesen sei. – Er war es tatsächlich!

Um der ganzen Angelegenheit doch noch einen positiven Ausklang zu geben, soll nicht unerwähnt bleiben, dass der ganze Text ausgezeichnet lektoriert wurde. Endlich mal ein Buch nahezu ohne Fehler. Das kommt wahrlich selten vor! Auch das Titelbild wurde sehr ansprechend gestaltet.

Mord im 4. Haus: Thriller von Nika Lubitsch

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WERBUNG: Seiten: 268 – Verlag: Kindle Edition – Preis: 3,99

Ein unterhaltsames Wiedersehen mit Sybille Thalheim, der Heldin aus: Der 7. Tag.

Seit ihrer Haftentlassung ist sie als Gerichtsreporterin bei einem Hamburger Hochglanzmagazin tätig, da meldet sich eine verzweifelte Frau bei ihr, die davon überzeugt ist, dass ihr Mann zu Unrecht wegen eines Doppelmordes an einer Nachbarsfamilie verurteilt worden ist. Aufgrund ihrer eigenen leidvollen Erfahrungen mit der Justiz, beschließt Sybille der jungen Frau zu helfen, hat sie doch selbst einmal in einer ähnlich prekären Lage gesteckt. Sie nimmt daher diese Herausforderung an und macht sich auf den Weg in ihre alte Heimat nach Berlin.

Bald darauf setzt Sybille alle Hebel in Bewegung, um doch noch die Wahrheit ans Licht zu bringen. Sie entdeckt Ungereimtheiten bei den polizeilichen Ermittlungen und macht sich auf, Beweise für die Unschuld des 2-fachen Familienvaters zu finden. Ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und eine kompromisslose Suche nach der Wahrheit, das sind wohl die stärksten Antriebskräfte der Journalistin. Von der Polizei kann sie dabei jedoch keine Hilfe erwarten, denn für die Justiz ist der Fall längst abgeschlossen, der Mann wurde verurteilt und lebenslänglich ins Gefängnis geschickt. In Erinnerung an die eigene, schmerzliche Vergangenheit, beginnt sie eine Spur zu verfolgen, die die offenbar unfähigen Ermittlungsbehörden übersehen haben, dabei begibt sie sich selbst in Gefahr und stößt auf Unfassbares. – Oder ist es gar nicht so sehr Unfassbares, sondern vielmehr Erwartungsgemäßes? Sie trifft nämlich auf eine Reihe üblicher Verdächtiger: auf brutale Russen, saudumme Neonazis und schließlich (das ist neu!) auf einen brandenburgischen Satanistenverein. Nichtsdestotrotz setzt die Autorin nach und nach die neu gewonnenen Erkenntnisse ihrer Protagonistin wie ein simples Puzzle zusammen. Sybille deckt ein Geflecht aus Okkultisten, Kinderpornografen und Menschenhändler auf und stößt eher zufällig in ein Wespennest. Dabei wirkt sie mitunter etwas tollpatschig, stolziert auf ihren High-Heels durch die brandenburgische Pampa und stolperte obendrein von einer Extremsituation in die nächste. Dass dabei der Humor nicht zu kurz kommt, erfährt der Leser in dem Kapitel, in dem die Gerichtsreporterin in ein abgelegenes Haus eindringt, in dem gerade eine okkulte Zeremonie, veranstaltet von einer höchst lächerlichen Satanistenschar, stattfindet. Diese Szene ist so unglaublich saukomisch beschrieben, dass der beabsichtige Gruseleffekt beim Leser ganz schnell in lautstarkes Gelächter umschlägt. Durch diesen Kunstgriff (nennen wir es mal so) wird das eher ernste und düstere Thema des Buches etwas aufgelockert. Der Leser ahnt zwar schnell, worum es geht, aber trotzdem bangt er natürlich mit der sympathischen Sybille mit, und selbstredend auch mit Jonas, dem behinderten Sohn des ermordeten Nachbarehepaares. Jonas hatte das Massaker an seinen Eltern schwer verletzt überlebt, aber er hat auch den Mörder gesehen und deshalb ist er Sybilles wichtigster Zeuge. Als sie endlich durch ihre Recherchen die skrupellosen Mitglieder eines international agierenden Syndikats aufschreckt, findet sie sich bald darauf zusammen mit Jonas gefesselt auf dem Boden eines DHL-Transporters wieder…

Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

Im Buch, das in der Ich-Form verfasst wurde, wird immer wieder Bezug auf Sibylles eigene Vergangenheit genommen. Das ist für die Leser, die den ersten Band Der 7. Tag bereits kennen, sicher ein willkommener Rückblick und erklärt auch, warum sie so vehement einen Beweis für die Unschuld des verurteilten Sebastian sucht. Für das Verständnis von Mord im 4. Haus ist es dennoch nicht dringend erforderlich, vorweg den ersten Band gelesen zu haben. Allerdings versteht man die Figur Sybille Thalheim tatsächlich etwas besser, wenn man ihre Vorgeschichte kennt. Manchmal ist es aber auch sehr interessant, wenn man als Leser die Umgebung, in der ein Regionalkrimi spielt, etwas genauer kennt. In diesem Krimi ist es der tatsächliche Wohnort der Autorin: Berlin/Zehlendorf. In der Handlung tauchen hier etliche in Zehlendorf bekannte italienische Restaurants auf: „Gondula due“, „Messalina“ oder „Villa Medici“ (um nur einige zu nennen) und diese Lokalitäten werden im Buch auch namentlich erwähnt. Die Autorin verrät sogar auch noch einen echten Namen, den eines Gastwirts einer ganz real existierenden Bierkneipe, der „Derby Klause“. Vermutlich ist Frau von Ramin bei all den Gastronomen des Öfteren zu Gast. Normalerweise verzichten Autoren auf die Nennung tatsächlich existierender Lokalitäten, oder sie geben ihnen Fantasienamen. Nicht aber Nika Lubitsch! Wenn man bösartig wäre, könnte man es auch Schleichwerbung nennen. Ich nenne es mal etwas zurückhaltender Corporate Placement. Für die Platzierung oder Nennung von Produkten (oder wie in diesem Fall Restaurantnamen) werden in der Regel Geld- oder Sachzuwendungen geleistet, so jedenfalls ist es im Filmbusiness üblich. Wie aber funktioniert sowas bei Regionalkrimis, die tausendfach gelesen werden? Zahlt Sascha dafür mit Wodkas oder Freibier? Oder darf sich die Autorin zusammen mit ihrem Mausebärchen jeden Sonntag in der „Villa Medici“ auf ein spendiertes leckeres 3-Gänge-Menü freuen? – Es gibt wohl Dinge, bei denen man sich nicht vorstellen kann, dass es sie tatsächlich gibt …

Ein gutes Buch jedenfalls muss den Leser immer von der ersten Seite an in seinen Bann ziehen, mit klug durchdachten Plots sollte es für Kurzweiligkeit sorgen, und es muss vor allem gute Unterhaltung liefern. Dass alles meistert die Autorin mit Bravour, auch wenn ich dieses Buch nicht als Thriller einstufen würde. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert.

(per)