Hercule Poirots Weihnachten: Ein Hercule-Poirot-Krimi von Agatha Christie

WERBUNG: – Laufzeit: 4h 13, 3 CDs – Verlag: Der Hörverlag – Preis: 9,99 Euro (Audio CDs)

Simeon Lee ist ein wahrhafter Tyrann. Der Alte verachtet seine Angehörigen und sagt es ihnen auch direkt ins Gesicht. Ein echtes Ekelpaket also. Umso überraschender ist es, dass er seine gesamte Verwandtschaft ausgerechnet an Weihnachten zu sich einlädt. Es verwundert daher auch nicht sonderlich, dass er sofort damit beginnt, alle zu beleidigen und zu provozieren. Als er wenig später tot aufgefunden wird, ist dementsprechend auch schnell klar, dass die Todesursache keine natürliche ist. Wer aber hat ihm die Kehle durchgeschnitten? Jeder der Anwesenden hätte für die Tat ein handfestes Motiv gehabt, dennoch erscheint alles reichlich mysteriös. Die Tat selbst ist – wie immer bei Agatha Christie – sehr ausgeklügelt und mit doppeltem Boden ausgestattet. Da liegt es fast schon auf der Hand, das Hercule Poirot zu Hilfe gerufen wird, dieser erkennt schnell, dass jedes der Familienmitglieder genügend Gründe hatte, Simeon Lee abgrundtief zu hassen. Verdächtige gibt es also reichlich, aber keiner kann theoretisch tatsächlich den Mord begangen haben. Poirots graue Zellen rattern auch diesmal auf Hochtouren und lassen uns erwartungsgemäß nicht im Stich. Den Lesern erteilt der belgische Meisterdetektiv einmal mehr eine großartige Lektion in kriminalistischer Kombinationsgabe. Eine überraschende Auflösung ist somit garantiert.

Dieser urbritische Agatha Christie-Krimiklassiker bietet nicht nur zur Weihnachtszeit einen hohen Lesegenuss, als spannende Lektüre ist er auch rund ums Jahr eine gute Empfehlung. Gleiches kann ich von der gekürzten Hörbuchfassung des Münchner Hörverlags leider nicht behaupten.

Dieses ist eines der wenigen Hörbücher des Verlages, das mir überhaupt nicht gefallen hat. Während der gesamten Laufzeit kam bei mir keine spürbare Freude am Zuhören auf, was gewiss nicht an der Romanvorlage, sondern ausschließlich an der scheinbar unkontrollierten Vortragsweise des Sprechers lag. Die drei CD-Längen habe ich mehr erlitten als genießen können, nur mit Mühe konnte ich mich dazu bewegen diese bis zum Ende anzuhören. Die Sprechart von Klaus Dittmann empfand ich phasenweise als sehr unangenehm und aggressiv. Auch die Dialoge wirkten durchweg unglaubwürdig, viel zu wenig differenziert, dafür aufdringlich und schrill. Die einzelnen Charaktere wurden viel zu stark überzogen dargestellt. Dadurch wirken die Figuren gekünstelt und der Zuhörer kann sich nur schwer in sie hineinversetzen. Darüber hinaus bereitete mir als Hörbuchproduzent die teilweise sehr schlecht abgemischte Ton- und Klangqualität fast schon körperliches Unbehagen. Die Passagen, in denen der Sprecher als Erzähler agiert, sind mitunter viel zu leise zu hören, so dass wahrscheinlich etliche Zuhörer den Lautstärkeregler aufdrehen. Leider wird dadurch die Klangqualität der Sprachaufnahme noch unangenehmer und klirrt geradezu schmerzhaft in den Ohren. Ich kann mir darauf keinen Reim machen, wie dieses unüberhörbare Manko den ansonsten qualitätsgeschulten Verlagsmitarbeiterinnen entgehen konnte.

Ich habe schon einige andere Hörbücher aus der Hercule Poirot-Reihe gehört und muss sagen, dass Klaus Dittmann mich diesmal als Sprecher am wenigsten überzeugen konnte. Für den Hörverlag wirkte er bereits in der „Wolkenvolk“-Trilogie von Kai Meyer mit – sowie in den Hörspielen zu Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ und Charles Dickens‘ „Oliver Twist“. Von Agatha Christie las er „Rendezvous mit einer Leiche“ und „Mit offenen Karten“. Die Art und Weise wie er in dieser Produktion zu hören ist, wirkt bedauerlicherweise sehr unprofessionell. Fand bei der Wortaufnahme überhaupt eine Regie statt? Hat das Hörbuch ein Laie am Küchentisch abgemischt? Eigentlich möchte ich es gar nicht erfahren …

Der Kauf dieses Hörbuches ist für Agatha Christie-Fans sicherlich ein Muss. Für jeden Anderen, der gutproduzierte Hörbuchlesungen mag, aber nicht zu empfehlen.

Erschienen ist das Hörbuch beim Der Hörverlag.

Laufzeit: ca. Laufzeit: 4h 13, 3 CDs.

Wir: Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Jewgenij Samjatin

WERBUNG: Spieldauer: ca. 1 h 35 min – Verlag: DAV – Preis: 16,99 Euro (2 Audio CD)

 

 

 

„Nachdem der einzige Staat den Hunger besiegt hatte, führte er einen Krieg gegen den zweiten Beherrscher der Welt – die Liebe.“

 

 

 

Wir spielt im „Vereinigten Staat“, einem Gebilde, das nach einem 200-jährigen Krieg und der „allerletzten Revolution“ entstand. Dieser Staat besteht aus einer abgeschirmten Stadt, die von einer unüberwindbaren Mauer umgrenzt ist. Alle Häuser dieser Stadt besitzen Wände aus Glas. Heerscharen von „Beschützern“ wachen über das „Wohl“ jedes einzelnen Bewohners, deren Leben bis zum kleinsten Handgriff streng reglementiert ist. Über allen steht der übermächtige „Wohltäter“. Die Menschen besitzen keine eigenen Namen mehr, jeder trägt nur noch eine Nummer. Wer sich gegen die „Fürsorge“ seiner „Beschützer“ wehrt, wird öffentlich hingerichtet. Der Einzelne zählt nicht, einzig was zählt, ist das Kollektiv.

Das Hörspiel schildert die Ereignisse in Form von Tagebucheinträgen. D-503 (Andreas Pietschmann) ist Konstrukteur der Rakete Integral, eines Raumschiffes, das den Weltraum erobern und die Errungenschaften der „letzten Revolution“ exportieren soll. D-503 verherrlicht seinen Staat – so lange, bis er die Staatsfeindin I-330 (Jana Schulz) kennenlernt und sich in sie verliebt.

Der Roman entstand 1920. Auffallend sind etliche Parallelen zu späteren Diktaturen. Der übermächtige Wohltäter (Hanns Zischler) ist eine gottgleiche Gestalt, die über das „Wohl“ der Untertanen wacht und sich durch „Wahlen“ immer wieder vom Volk bestätigen lässt. Wir wird somit zu einer prophetischen Vision der Zeit des Stalinismus. Ähnlich wie Huxleys „Brave New World“ beschreibt Samjatin eine utopische Zukunftsgesellschaft, in der wirklich alles geregelt ist. Besonders heute aktuell in einer Zeit, in der Sicherheit lediglich als Vorwand zum Abbau von Freiheitsrechten missbraucht wird. Samjatin hat mit diesem Klassiker die Anti-Utopie als literarisches Genre neu begründet und die Werke u. a. von Aldous Huxley, George Orwell und Ray Bradbury quasi vorweggenommen bzw. stark beeinflusst. Die großartige Hörspielinszenierung von SWR2 zeigt eindrucksvoll, dass Samjatins Zukunftsroman nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Diese Rundfunkproduktion erhielt auch als Hörbuch einige der begehrtesten Auszeichnungen, u.a. den „Deutschen Hörbuchpreis“ und den Jahrespreis des „Preises der Deutschen Schallplattenkritik“.

Christoph Kalkowski vereint sehr feinsinnig als Regisseur alle Elemente der Produktion – Töne, Geräusche, Musik, Stimmen – zu einem fesselnden Klangerlebnis, „in dem das Werk auf beunruhigend gegenwärtige Weise kritische Wirkung entfaltet.“ (Aus der Begründung einer Jury)

Produktion: SWR 2014

Hörspielbearbeitung: Ben Neumann

Dramaturgie: Andrea Oetzmann

Hörspielmusik /Komposition: Raphael D. Thöne

Die Musik entstand in Zusammenarbeit mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter Leitung von Jonathan Stockhammer.

Regie: Christoph Kalkowski

(2 CDs ca. 1 h 35 min)

Über den Autor:

Jewgenij Samjatin, (1884–1937), schloss sich während seines Studiums als Schiffbauingenieurin Sankt Petersburg den Bolschewiki an. Er organisierte den Aufstand auf dem Panzerkreuzer Potemkin mit und beteiligte sich, nach der Februarrevolution 1917 aus der englischen Emigration nach Russland zurückgekehrt, aktiv an der Oktoberrevolution. 1920 beschrieb er in dem Roman Wir eine fiktive Gesellschaft, in der jegliche Individualität unterdrückt wurde. Durch diesen Roman zog er sich den Unmut der Parteiführung zu und erhielt Schreibverbot. Wir wurde 1924/25 in verschiedenen Sprachen im Ausland veröffentlicht, doch erst 1988 erschien das Werk in der Sowjetunion in vollständiger russischer Fassung. 1929, nach schlimmster Hetze gegen ihn, verließ Samjatin, der zu Beginn der 20er-Jahre eine Ausreisemöglichkeit abgelehnt hatte, den sowjetischen Schriftstellerverband. 1931 erhielt er die Erlaubnis Stalins nach Frankreich auszureisen. Jewgenij Samjatin starb 1937 in Paris.

Der kleine Prinz: WDR-Hörspiel nach dem gleichnamigen Buch von Antoine de Saint-Exupéry

der_kleine_prinz_das_hoerspiel

WERBUNG: – Spieldauer: ca. 71 Minuten – Verlag: Hörbuch Hamburg – Preis: 11,49 Euro (Audio-CD)

Saint-Exupérys Klassiker Der kleine Prinz zählt zu den bekanntesten und meistverkauften Büchern der Welt. Ganz unterschiedliche Interpreten von Will Quadflieg über Ulrich Mühe, Jan Josef Liefers, August Zirner, Oliver Rohrbeck, bis hin zu Ben Becker haben dem „Kleinen Prinzen“ ihre Stimme geliehen. Es entstanden bis heute auffällig viele Adaptionen von ganz unterschiedlichen Qualitäten, die besonders nach dem Eintritt der Rechtefreiheit an der literarischen Vorlage, fast schon massenhaft wie Pilze aus dem Boden schossen. Ja, es sieht fast so aus, als hätten die Hörbuchverlage versucht, sich möglichst noch eine dicke Scheibe von der Popularität dieses Werkes abzuschneiden, um sich diese gewinnbringend aufs eigene Brot zu legen. Einige dieser Hörbuchproduktionen haben den kleinen Kerl verniedlicht, andere wiederum verkitscht oder ihn ganz unsentimental, lediglich auf seine weisen Erkenntnisse reduziert. Es ist immer ein Wagnis, einer alten und überaus bekannten Geschichte durch Neuinterpretation ein eigenes neues Leben einzuhauchen. Nicht wenige Sprecher sind daran gescheitert, aber aus der Flut von Hörbuch-Adaptionen des „Kleinen Prinzen“ sticht dieses WDR-Hörspiel hervor. Kai Grehns aufwendige Neuinszenierung des Klassikers ermöglicht einen ungeahnt atmosphärischen Blick auf Antoine de Saint-Exupérys berührendes und geistreiches Kunstmärchen. Hörspielregisseur Kai Grehn hat dabei ein herausragendes Sprecherensemble zusammengestellt und als Neuübersetzer der Geschichte sämtliche Klischees ausgetrieben.

Grehn gelingt nicht nur das Kunststück, die Sprache vom Existentialistischen ins Zeitgenössische zu übertragen, sondern auch die „Unendlichkeit des Alls“ durch geradezu LSD-artige Klangexperimente von alva noto und dem Electronic-Duos Tarwater „traumwandlerisch“ mitschwingen zu lassen, resümierte „Die Zeit“ (29.09.2016)

Alles beginnt mit einer Notlandung eines Piloten mit seinem Flugzeug in einer Wüste. Am folgenden Tag steht ein kleiner Kerl vor ihm und berichtet von seiner langen, abenteuerlichen Reise. Er erzählt ihm von fernen Planeten und ihren Bewohnern: von einem König ohne Untertanen, von einem Fuchs, der sein Freund wurde und von einer Rose auf seinem kleinen Planeten, die er liebt. Die verschiedenen Geschichten, die er erzählt, sind dabei episodenhaft, dennoch existieren Beziehungen zwischen ihnen. So werden nach und nach Portraits von den unterschiedlichsten Figuren gezeichnet. Die eitle Rose beispielsweise, die der kleine Prinz über alles liebt, und die ihm niemand ersetzen kann, ist so ein Portrait. Sie ist das treibende Motiv der Handlung, da ohne sie der Grund für die weite Reise – für den Planetenflug – nicht gegeben wäre. Auch wenn in einer akustischen Interpretation die bekannten Zeichnungen des Autors fehlen müssen, werden diese Bilder doch hier sprachlich erzeugt und durch eine atmosphärische Klangwelt adäquat ersetzt. Dafür sorgen natürlich auch die Sprecher. Martin Wuttke ist als Pilot zu hören. Er spricht damit auch einige Erzählertexte. Alexander Fehling leiht dem kleinen Prinzen seine Stimme, er gestaltet ihn so lebendig und voller Enthusiasmus, dass man als Zuhörer die Figur sprichwörtlich vor sich sehen kann. Überhaupt ist das ganze Hörspiel bis in die kleinste Nebenrolle hochkarätig besetzt. Die Musik unterstreicht den träumerischen Charakter der Geschichte, ohne dass dabei ein penetranter Klangteppich entsteht. Auch die Geräusche fügen sich sehr angenehm in das Gesamtkonzept ein.

Meine Erwartungen und meine Vorfreude auf dieses Hörbuch waren auch hier recht hoch gesteckt, ich wurde nicht enttäuscht.

Meine wärmste Hörempfehlung!

Die Sprecher und ihre Rollen: Alexander Fehling als „Der kleine Prinz“, Martin Wuttke als „Der Pilot“, Dieter Hallervorden als „Der König“, Paula Beer als „Die Rose“, Jens Wawrczeck als „Der Fuchs“, Josef Ostendorf als „Der Geograph“, Otto Mellies als „Der Geschäftsmann“, Jule Böwe als „Die Schlange“, Samuel Finzi als „Der Laternenanzünder“, Andreas Schmidt als „Der Eitle“, Lars Rudolph als „Der Trinker“ und Claudia Grote als „Die Rosen im Rosengarten“.

Über den Regisseur: Kai Grehn gründete nach seinem Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin das THEATER fleur du mal. Zu den Hörspielproduktionen, bei denen er Regie führte, zählen Die Geschichte vom Franz Biberkopf nach dem Roman Berlin – Alexanderplatz von Alfred Doblin und Fisch. Farce für den Film nach Ingmar Bergman. Für Die künstlichen Paradiese nach Charles Baudelaire wurde er 2012 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet.

Technische Realisation: Martin Seelig, Peter Avar, Jean Szymczak, Benjamin Ihnow Regieassistenz: Nadine Schmid

Dramaturgie: Ulla Illerhaus | Eine Produktion des WDR 2016 Spieldauer: ca. 71 Minuten.   Erschienen ist das Hörspiel als Hörbuch beim Verlag  Hörbuch Hamburg.

Totenfang: Thriller von Simon Beckett (Hörbuch-Download)

41jy9ooawgl__aa300_

WERBUNG: Spieldauer: 15 Stunden und 47 Minuten – Verlag: Argon – Preis: 22,30 Euro

David Hunter wird zu einem Leichenfund gerufen. In den Backwaters, einem abgelegenen Mündungsgebiet in Essex, droht man richtig zu versinken, was nicht nur für den forensischen Anthropologen David Hunter problematisch ist, sondern auch für dort angeschwemmte Leichen.

Die bewährten Zutaten zu diesem Thriller sind wieder geschickt ausgewählt und stimmungsvoll platziert: Eine verlassene Gegend, wortkarge Bewohner und ein paar Leichenteile, die nicht unbedingt zusammenpassen. Irgendwann schlägt auch noch das Wetter um und das Handy fällt aus. Das Chaos ist perfekt arrangiert.

Der neue Fall gestaltet sich von Anfang an schwieriger als gedacht. Alles deutet zunächst auf einen Selbstmord hin. Doch der Forensiker Dr. David Hunter hat da seine Zweifel. Ein Verdächtiger wird natürlich schnell gefunden, doch auch hier bleibt Hunter skeptisch. Es stellt sich zunächst die Frage: was verbergen die Bewohner des Dorfes Backwaters, in dem sich die angeblichen Unglückfälle zugetragen haben? Mit Totenfang setzt Bestsellerautor Simon Becket bereits zum fünften Mal seine spannende Thriller-Reihe fort. Der Autor nimmt seine Leser (und via Hörbuch seine Zuhörer) mit in einen überaus komplexen und vielschichtigen Fall, der zwar zunächst gemächlich anläuft, aber schon bald kaum noch Zeit zum Atmen lässt.

Johannes Steck ist die deutsche Stimme von Simon Beckett und für seine Lesungen um den Ermittler David Hunter bereits mehrfach mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet worden. Steck lässt die Geschichte auf seine Zuhörer wirken, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Sein Sprechstil wirkt dabei dezent und zugleich charakteristisch, sodass es den Zuhörern leicht fällt, dem Handlungsablauf, vor allem aber den Dialogen, zu folgen. Alle emotionalen Momente wirken glaubwürdig und werden authentisch dargestellt. Es ist überaus professionell, wie Steck mit relativ wenig Modulationsspielraum so eine atmosphärische Dichte erzeugt.

Für mich ist Totenfang einer der besten Becketts bisher: packende Atmosphäre, stimmige Charaktere, gut ausgewählte Schauplätze, keine Logikbrüche und eine stringent erzählte Geschichte. Ein Hunter, dem man sehr nah kommt. Und dennoch hätte ich mir keine Lesung, sondern vielmehr ein Hörspiel gewünscht. Aber vielleicht folgt das ja noch irgendwann…

Für alle, die die Reihe schon kennen, eine klare Hörempfehlung. Das ist allerfeinste Krimiunterhaltung pur. Alle anderen sollten besser die Hunter-Reihe vom ersten Buch an lesen bzw. hören, zumal man in diesem 5. Band kaum etwas über die Vorgeschichte des forensischen Anthropologen erfährt.

Für alle, die lieber etwas in den Händen halten wollen, gibt es das Hörbuch selbstverständlich auch im Buchhandel zu kaufen. Das Hörbuch-Layout ist an das Buchcover angelehnt. Die insgesamt 12 CDs sind weiß bedruckt und stecken in schwarzen Papierhüllen, die wiederum in einer ansprechend gestalteten Verpackungsbox eingelegt sind. Ein achtseitiges Booklet enthält ein kurzes Interview mit dem Autor sowie eine Kartenübersicht der Backwaters.

Erschienen ist das Hörbuch beim Argon Verlag.

Spieldauer: ca. 947 Minuten, 12 CDs, ungekürzte Lesung

Hörbe mit dem großen Hut: Hörspiel nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Otfried Preußler

616osfdxf-l__aa300_

WERBUNG: 1 CD – Spieldauer ca. 55 Minuten- Verlag: Der Audio Verlag – Preis: 6,47 Euro (als Download)

Im Siebengiebelwald lebt ein Hutzelmann namens Hörbe. Der kleine Kerl mit dem viel zu großen Hut hat Spaß am Leben, und wenn die Sonne durch den Reisighaufen bis in seine Stube dringt, dann denkt er sich: Wie schön ist es, auf der Welt zu sein. Eines schönen Tages ist er gerade am Preiselbeermarmelade kochen. Als er eine Pause einlegt, zwitschert ein Vogel: Hörbe mach einen Wandertag! Und damit fängt diese Geschichte an.

Auf seiner Wanderung erlebt er nun die seltsamsten Geschichten. In den Worlitzer Wäldern kann er nur knapp dem gefürchteten Plampatsch entgehen und er findet einen Freund: Zwottel, den Zottelschratz. Mit ihm gemeinsam macht das Wandern gleich doppelt so viel Spaß und zu zweit bestehen sie nun die gefährlichsten Abenteuer.

Otfried Preußler hat eine ganze Reihe von Kinderbuch-Klassikern verfasst. Seine Bücher „Der Räuber Hotzenplotz“, „Der kleine Wassermann“, „Krabat“ und ganz besonders „Die kleine Hexe“ sind weltbekannt. Aber dieses Märchenbuch kennt noch nicht jeder. Auch mir war es bisher weder als Theaterstück, noch als Film oder Buch bekannt. Erst durch dieses Hörspiel bin ich erstmals mit den drolligen Hutzelmännern in Berührung gekommen.

Die Geschichte ist recht einfach strukturiert, was Spannung und Handlungsverlauf anbelangt wird sie sehr kindgerecht erzählt, aber sie reicht dennoch nicht ganz an die großen Werke des Autors heran. Dafür aber bietet sie in der Hörspielfassung etwas, was eigenartigerweise bei Kinderhörbüchern eher selten vorkommt: Es ist eine Geschichte voller Zungenbrecher. Und genau das bereitet einen riesengroßen Hörspaß.

Die Hörspielfassung wurde mit ihren jeweils unterschiedlichen Charakteren sehr lebendig inszeniert. Die Besetzung jeder einzelnen Figur, bis in die kleinste Rolle, wirkt durchgängig stimmig, besonders die mitunter schwer zu sprechenden Wortschöpfungen des Zwottel werden durch die Stimme von Sandra Schwittau zum reinsten Hörvergnügen. Auch der Erzählerin gelingt es mit viel Charme und Esprit zu überzeugen. Deshalb bin ich mir absolut sicher, auch der liebenswerte kleine Höbe wird, wie zuvor schon der Räuber Hotzenplotz oder die kleinen Hexe, alle Kinderherzen im Sturm erobern.

Hörbe mit dem großen Hut wurde von Judith Lorentz inszeniert und von Lutz Glandien mit einer fantasievollen Musik liebevoll untermalt. Produziert wurde das Kinderbuch als Hörspiel vom SWR und dem NDR. Als CD ist das Hörspiel bei DAV erschienen.

Als Erzählerin führt Brigitte Hobmeier durch die Geschichte. Der kleine Hutzelmann wird von Nico Holonics gesprochen und Sandra Schwittau (bekannt als die Synchronstimme von Bart Simpson aus der Fernsehserie „Die Simpsons“), lieh dem Zwottel ihre unverwechselbare Stimme. In weiteren Rollen sind Annette Strasser, Jirka Zett, Ernst Konarek, Michael Tregor, Marek Harloff, Anne Lessmeister, Hanna Plaß, Maja Kuhl und Holger Heddendorp zu hören.

Meine Erwartungen und meine Vorfreude auf dieses Hörbuch waren recht hoch gesteckt, ich wurde nicht enttäuscht. Für längere Autofahrten mit Kindern ab einem Alter von 5 bis 9 Jahren ist es sehr gut geeignet.

Ich möchte dieses vergnügliche Hörbuch allen Eltern oder Großeltern als Geschenk für ihre Kinder bzw. Enkelkinder nur wärmstens empfehlen. Da hat eigentlich jeder, egal ob jung oder alt, was davon.

( 1 CD / Laufzeit ca. 55 Minuten)

Buchmarketing.direkt im Gespräch mit Jean-Louis Glineur

Jean-Louis Glineur wurde 1964 in Verviers/Belgien als Sohn eines belgischen Unteroffiziers und einer deutschen Mutter aus Hollerath in der Eifel geboren. Als sein Vater Léon Ende der 1960er Jahre im belgischen Camp Vogelsang in der Eifel als Soldat stationiert war, zog die Familie aus der Wallonie nach Gemünd. Er besuchte das Städtische Gymnasium Schleiden und schloss dieses 1984 mit dem Abitur ab und entschied später, eine Berufsausbildung zum Industriekaufmann zu absolvieren, arbeitete später als strategischer Einkäufer und als Ausbilder in kaufmännischen Berufen. Seit 2001 lebt Jean-Louis Glineur in der Städteregion Aachen in einem idyllischen kleinen Dorf namens Dedenborn mit seiner Frau Ute, die er im Jahr 2008 heiratete. Zu den Leidenschaften von Jean-Louis Glineur gehören Motorsport und Comicserien belgischer und französischer Autoren.

*

Buchmarketing.direkt: Guten Tag, Herr Glineur. Im Fokus unseres Gespräches soll natürlich vorrangig Ihr Krimi Todesangst in der Nordeifel stehen. Wenn ich es richtig verstanden habe, handelt es sich hierbei um ein Erstlingswerk und Sie haben damit einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, denn noch bevor eine Taschenbuchausgabe vorlag, erschien es zuerst als Hörbuch, welches bei Technisat Digital Division Radioropa veröffentlicht wurde. Normalerweise findet die Veröffentlichungsreihenfolge genau umgekehrt statt. Gab es Gründe für diese Entscheidung?

Jean Louis Glineur: Im Prinzip gab es wirklich gute Gründe, aber die standen nicht wirklich unter meinem Einfluss. Ich habe recht blauäugig fünf Verlagshäuser angeschrieben, mein Manuskript in Papierform beigefügt und auf baldige Antworten gewartet. In den kommenden Wochen kam zunächst eine Absage eines regionalen Verlegers für Printmedien, aber fast zeitgleich Post von Radioropa aus Daun, die zu meiner Freude mein Manuskript vertonen wollten. Dass dann anderweitig noch eine weitere Absage kam und zwei angeschriebene Verleger überhaupt nicht reagierten, trat bei meiner großen Freude über die guten Nachrichten des Hörbuchproduzenten absolut in den Hintergrund. In Sachen ‚Entscheidung‘ in Sachen Reihenfolge war ich also eher Passagier und weniger Kapitän.

Buchmarketing.direkt: Ihre Krimis lassen sich leicht in die Schublade „Regionalkrimis“ einsortieren. Ich selbst bin mit solchen Etikettierungen nicht sehr glücklich, denn im Grunde handelt ja fast jeder Krimi an einem bestimmten Ort. Zweifelsfrei hat Jacques Berndorf dem Genre „Eifelkrimi“ zu großer Popularität verholfen. Hat er Ihnen mit seinen Werken den gewissen Impuls zum eigenen Schreiben gegeben?

Jean Louis Glineur: Berndorf spielt nur bedingt eine Rolle, wobei ich seine Romane nahezu ausnahmslos einfach sehr mag. Geschrieben habe ich bereits, bevor ich den Namen Jacques Berndorf jemals gehört hatte, auch wenn es sich um Presseartikel handelte. Dass verschiedene Autoren, und auch ich, definitiv Profiteure durch Berndorfs Erfolge sind, kann kein vernünftiger Mensch bestreiten. Auf mich bezogen sage ich mit einem Schmunzeln, dass ich aber nun wirklich nichts dafür kann, dass ich rein zufällig auch in der Eifel wohne. Denn die Handlung in den Hunsrück zu legen, nur um nicht als Berndorf-Nutznießer zu gelten, wäre eher fragwürdig. Was mir selbst aber überhaupt nicht gefällt, ist dieses Nachahmen der Titel. Bei Berndorf heißen Sie ‚Eifel-Gold‘ oder Eifel-Blues‘. Wenn andere Autoren dies von ‚Eifel-A‘ bis ‚Eifel-Z‘ als Buchtitel quasi kopieren, finde ich es etwas plump. Daher habe ich mich für dieses in beiden veröffentlichten Fällen für jenes ‚…in der Nordeifel‘ entschieden, so wie auch der nächste Fall zum Beispiel ‚Entführung in der Nordeifel‘ heißen wird.

Buchmarketing.direkt: Sie besitzen einen deutschen Pass, besinnen sich aber immer auch auf Ihre wallonischen Wurzeln. Eine Ihrer Protagonisten, die Privatdetektivin Anne-Catherine Vartan, ist ebenso wie Sie in Belgien geboren, besitzt aber auch einen deutschen Pass. Ist diese Romanfigur sowas wie Ihr Alter Ego?

Jean Louis Glineur: Ich finde, dass der Darsteller Alwin Schreer eher den Begriff Alter Ego erfüllt. Sein Handeln und seine persönliche Art haben eher eine Ähnlichkeit. Trotzdem, sehr guter Ansatz, hat auch Anne-Catherine einen gewissen Anspruch ein Alter Ego zu sein. Zwar treibt mich mehr die Grenznähe zu Belgien an, aber ich spüre oft im Alltag, dass ich eher halber Belgier und eben halber Deutscher bin. Mich hat die Mentalität beider Länder geprägt, vor allem aber besitze ich einen wallonischen Dickschädel, der auch ohne Umschweife seiner Meinung freien Lauf lässt. Das passt in gewisser Weise auch wieder zu meiner Protagonistin Anne-Catherine Vartan.

Buchmarketing.direkt: Sie üben noch einen Beruf zum Broterwerb aus, sind also nicht allein monetär von der Schriftstellerei abhängig. Wenn Sie schreiben, wie strukturieren Sie Ihre Tätigkeiten? Schreiben Sie täglich, oder nur dann, wenn Sie eine plötzliche Idee haben, die dringend notiert werden muss?

Jean Louis Glineur: Mein eigentlicher Beruf bindet mich, wie so viele Menschen, rund vierzig Stunden wöchentlich. Nach Feierabend bin ich dann oft einfach nur müde, oder ich möchte die Zeit mit meiner Frau genießen. Daher schreibe ich meist eher spontan, oder eher schubweise, aber dann intensiv. Notizen, definitiv, sind aber ein steter Begleiter. Wenn ich eine neue Idee zu einer Story habe, wird diese auf alle Fälle sofort in ein passendes Notizbuch aufgenommen.

Buchmarketing.direkt: Sie waren auch als freier Journalist tätig und haben u.a. für die „Kölnische Rundschau“ oder für die mittlerweile eingestellte Motorsportzeitschrift „Sportfahrer“ Artikel geschrieben und Reportagen in Jahresbüchern veröffentlicht. Das Schreibbedürfnis liegt Ihnen offenbar im Blut. Erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Schreibversuche? Wie oder wodurch wurde dieses Bedürfnis geweckt?

Jean Louis Glineur: Der Spaß am Schreiben begann eigentlich mit der Entstehung unserer Abi-Zeitung im Jahr 1984. Allerdings war ich doch mehr für Fotos zuständig. Damals habe ich – eher durch Zufall – einen Stuntman fotografiert, der einen Motorradunfall fürs Fernsehen doubelte. Das Foto habe ich dann genutzt, um mit einem kleinen Bericht in einer Zeitung auf die Gefahren hinzuweisen, wenn Biker ohne Licht fahren und übersehen werden. Das wurde dann zum Einstieg für andere Berichte. ‚Sportfahrer‘ war erst recht ein für mich ideales Magazin, da ich mich seit meiner Kindheit für Autorennen interessiere.

Buchmarketing.direkt: Einige spannende Passagen in Ihrem Krimi werden zusätzlich auch durch riskante bzw. rasant formulierte Autoverfolgungsjagdbeschreibungen angereichert. Ich werde das Gefühl nicht los, da steckt auch viel eigenes Potential mit drin. Hat Jean Louis Glineur auch Benzin im Blut?

Jean Louis Glineur: Ja, das passt auch zur Frage zuvor. ‚Sportfahrer‘ war ein für mich ideales Magazin, wenn’s um das Schreiben ging, da ich mich seit meiner Kindheit für Autorennen interessiere. Ich habe Mitte der 1980er Jahre an Slalomrennen teilgenommen, oder auch im belgischen Zolder einen Formel Ford damals ausprobieren können. Und ich bin immer gern schnell unterwegs gewesen, wenn die Straßenverhältnisse es erlauben. In den letzten Jahren ist Autofahren für mich nur noch ein Mittel zum Zweck und nicht mehr so leidenschaftlich.

Buchmarketing.direkt: Sie haben kürzlich einen zweiten Krimi „Panik in der Nordeifel“ veröffentlicht. Worum geht es in Ihrem neuen Buch?

Jean Louis Glineur: Zwei pensionierte Studienräte suchen die Privatermittler Schreer und Vartan auf. Der brutale Mord an zwei ebenfalls aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Lehrern namens Sturm und Kling führt zu der Annahme, dass jemand es auf die Lehrerschaft eines Gymnasiums abgesehen hat. Alwin Schreer hat allerdings einen anderen Verdacht, da die Ermordeten Mitglieder einer rechtsextremen Partei waren. Dass der erwachsene Sohn Michael des getöteten Kling auch ermordet wird, festigt den Verdacht, denn er galt vor allem in Aachen und Umgebung als politischer Brandstifter. Der Mordversuch an einem weiteren Lehrer, wirft allerdings alle Annahmen um, dass Rechtsextreme das Ziel sind, denn er gilt als das krasse Gegenteil – er steht politisch klar ‚links außen‘. Parallel werden Waffen im Keller von Kling junior nach dessen gewaltsamen Ende entdeckt, und auf einem beschlagnahmten Computer kann ein Chatverlauf wieder hergestellt werden, der ein geplantes  Attentat auf zwei Flüchtlingswohnheime in der Nordeifelverrät. Klings Tod hatte also auf eine makabre Weise etwas „Gutes“, und dennoch gilt: ein Mord ist und bleibt ein Mord, zumal die Motivlage des unbekannten Mörders offensichtlich doch eine andrere ist.

Buchmarketing.direkt: Gibt es schon Pläne für einen dritten Band der Nordeifel-Reihe? Möchten Sie schon etwas darüber verraten?

Jean Louis Glineur: Wie angedeutet, plane ich aktuell einen Fall mit dem voraussichtlichen Titel ‚Entführung in der Nordeifel‘. Die Kinder und die Schwiegermutter eines in Ostbelgien lebenden wohlhabenden Geschäftsmanns werden entführt. Er ist derart eingeschüchtert, dass er, wie gefordert, die Polizei nicht einbindet, aber er kennt Alwin Schreer durch einen älteren eher unbedeutenden Auftrag und bitte ihn um Hilfe.

Buchmarketing.direkt: Wie viel Zeit brauchen Sie etwa für den Schreibprozess eines eigenen Buches?

Jean Louis Glineur: Jetzt tu‘ ich mich schwer, die Frage präzise zu beantworten. Da ich auch immer wieder Pausen einlege, dann aber der eben kurz erwähnte ‚Schub‘ einsetzt, denke ich, dass ich von der ersten Idee bis zur Fertigstellung ein halbes Jahr brauche. Ein eher nerviger Grund für etwas längere Unterbrechungen ist der Hang zu Migräneanfällen. Das bedeutet auch, dass ich durchaus auch mal zwei oder drei Wochen nur Notizen mache, am Manuskript aber dann nicht arbeite.

Buchmarketing.direkt: Lassen Sie sich auch von realen Ereignissen, die sich meinetwegen in der Eifel zugetragen haben, für Ihre eigenen Krimis inspirieren?

Jean Louis Glineur: Geschehnisse in der Eifel sind da weniger die Inspiration. Aber ich erlaube mir durchaus den kleinen Wink zu Dingen, die zum Zeitpunkt der Geschichte gesellschaftlich oder politisch präsent oder aktuell sind. Gerade der Ich-Erzähler Schreer tut dies. Allerdings nutze ich dies, um den Zeitpunkt für den Leser etwas ‚griffiger‘ zu machen, besser gesagt, wenn er liest erinnert er sich unvermittelt an ein Geschehnis der Zeit zuvor. In ‚Panik in der Nordeifel‘ gibt es zum Beispiel den kleinen Seitenhieb gegen den Islamischen Staat, oder Anne-Catherine Vartan hat einen persönlichen Bezug zu den Attentaten in Paris Ende 2015, da sie kurz zuvor dort zu Besuch war. Oder, anderes Beispiel, mein Alter Ego Schreer kann’s aus aktuellen Anlässen auch nicht lassen, ein paar Spitzen über einen gewissen Herrn Trump zu platzieren.

Buchmarketing.direkt: Wo liegen Ihre Vorlieben als Buchleser?

Jean Louis Glineur: Die Vorliebe ist und bleibt der deutsche Krimi, aber das Genre wird auch recht gelungen aus Skandinavien bedient. Beides betreffend mag ich aber auch Hörbücher besonders gern, da ich beruflich jede Woche ein paar Stunden unterwegs bin. Und – da kommt der Belgier in mir durch – ich liebe französischsprachige Comics.

Buchmarketing.direkt: Herr Glineur, ich bedanke mich für dieses sehr informative Gespräch.

Link zur Buchbesprechung

Link zur Website des Interview-Partners

Todesangst in der Nordeifel (Schreer und Vartan ermitteln): Krimi und Hörbuchdownload von Jean-Louis Glineur

512ukhxbg0l

WERBUNG: Seiten: 210 – Verlag: neobooks – Preis: 1,99 Euro

Eine junge Frau wird zwischen zwei Eifeldörfern überfallen und vergewaltigt. Kurz danach wird eine Jugendliche in der Nähe ermordet aufgefunden. Der Ehemann der zuerst überfallenen und vergewaltigten Frau setzt jedoch kein großes Vertrauen in die Polizeiarbeit der für diesen Fall zuständigen Ermittlungsbehörde, er beauftragt deshalb die beiden Privatdetektive Alwin Schreer und dessen Kollegin Anne-Catherine Vartan sich mit diesem Fall zu beschäftigen. Beide beginnen unverzüglich zu ermitteln, da davon auszugehen ist, dass in der nördlichen Eifel ein gefährlicher Mörder frei herumläuft, der vielleicht schon bald erneut zuschlagen könnte. Schon jetzt versetzt er die Bewohner in Angst und Schrecken. Bald darauf erfährt der unbekannte Serienmörder durch einen Aachener Boulevard-Journalisten und dessen Berichterstattung, dass die beiden Privatdetektive ihm schon gefährlich nah gekommen sind. Er setzt deshalb alles daran, durch eine üble Autorempelei beide Detektive umzubringen. Ihr Auto brennt zwar aus, doch Schreer und Vartan überleben. Jetzt nehmen die beiden Detektive die Angelegenheit höchst persönlich und eine Jagd durch die Euregio beginnt…

Nachdem Schreer einen heißen Tipp von einer Euskirchener Verkäuferin erhalten hat, der ein geparktes Auto aufgefallen war, das möglicherweise von dem Mörder benutzt wurde, macht er sich sogleich auf die Suche nach dem auffälligen Geländewagen. Er wird auch bald fündig, doch leider gelingt es Alwin Schreer nicht rechtzeitig den Mörder zu stellen. Der unbekannte Mann kann im letzten Moment fliehen und verübt bald darauf einen weiteren Mord.

Der weitere Verlauf der Story wäre schnell zu erzählen, wird aber an dieser Stelle ganz bewusst nicht verraten. Die 205 Seiten im Taschenbuchformat lesen sich locker und leicht. Erzählt wird sie aus der Ich-Perspektive des Privatdetektivs Alwin Schreer, dadurch entsteht eine angenehme Nähe zum Protagonisten. Als Detektiv wirkt er sehr menschlich und sympathisch. Er lässt sich bei Rückschlägen nicht lange aufhalten und entdeckt immer wieder Dinge oder Spuren, die die Polizei übersehen hat, bzw. diesen keine Beachtung schenkte. Aber ebenso wurde mir auch schnell seine Kollegin Anne-Catherine Vartan sympathisch. Die markante Detektivin ist Belgierin mit deutschem Pass. Anne-Catherine lässt sich scheinbar durch nichts sonderlich beeindrucken, auch dadurch wird sie für Schreer zur kongenialen Partnerin – und für die Leser zur willkommenen Bereicherung. Beide Protagonisten sind deshalb die unangefochtenen Sympathieträger dieses Krimis. Aber auch die Eifel selbst wird zum wichtigen Sujet, ohne dass dabei die üblichen Klischees, wie es leider zu häufig bei Regionalkrimis der Fall ist, in zu großem Umfang überstrapaziert werden. Ohne übertriebene Schnörkel beschreibt der Autor eine brisante und rasante Geschichte, die alle wesentlichen Ingredienzien eines spannungsgeladenen Krimis für die Leser bereithält. Die Spannungsamplitude schwingt quasi mit jeder gelesenen Seite mehr und mehr aus.

Da der Krimi Todesangst in der Nordeifel auch in einer Hörbuchfassung angeboten wird, machte mich die ganze Angelegenheit neugierig. Würde es einem Sprecher gelingen, dieser Geschichte eine ebenso gleichwertige Spannungskurve zu verleihen? Ich machte die Probe aufs Exempel. Und in der Tat, auch in der Hörbuchfassung zieht die Geschichte so rasant wie ein Porsche auf freier Strecke auf. Dem Zuhörer stehen nur kleine Pausen zur Verfügung, um Luft zu holen. Das Hörbuch hat mich ebenso tief beeindruckt und gefesselt, wie zuvor das gedruckte Buch. Der Schauspieler Julian Mehne interpretiert den Text mit kongenialen Stimmungen und hoher sprachlicher Kompetenz. Kein einziges Fremdwort bereitet ihm Schwierigkeiten, auch die vielen Ortsnamen werden fehlerfrei ausgesprochen, was auf eine gute Vorarbeit schließen lässt. Mit gelungener Modulation und der richtigen Sprechhaltung, besonders bei Actionszenen, versteht es Julian Mehne Spannungsbögen aufzubauen und zu halten. Das Finale wird gekonnt herbeigeführt und abgeschlossen. Allerdings gelingt es ihm nicht immer, den Figuren eine eigene Charakteristik zu verleihen, aber das beeinträchtigt kaum den Hörgenuss. Ich habe mir den Hörbuchkrimi während einer Fahrt auf der Autobahn zwischen Berlin und Hamburg angehört. Die 225 Minuten vergingen wie im Flug. Allerdings ist jedem Zuhörer dringend davon abzuraten, die im Text vorkommenden Autoverfolgungsjagten rasant nachzustellen. Halten Sie sich besser an die vorgeschrieben Richtgeschwindigkeiten und kommen Sie sicher an Ihr Reiseziel. Ich für meinen Teil, bin schon jetzt sehr gespannt auf die Fortsetzung.

Link zum Hörbuchdownload

Link zum Interview mit dem Autor

Der Fahrradspeichenfabrikkomplex: Hörbuch von Angela Kreuz und Dieter Lohr

61etzstqbll__sy498_bo1204203200_

WERBUNG: 2 Audio-CDs – Verlag: LOhrBär – Preis: 16,99 Euro

Am 3. Dezember 1980 erklärte der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß vor dem Landtag, die bayerische Staatsregierung prüfe, ob es in Bayern einen geeigneten Standort für eine atomare Anlage zur Aufarbeitung abgebrannter Kernbrennstäbe gebe. Bereits kurze Zeit später kamen erste Gerüchte auf, wonach eine solche WAA in der Nähe des Oberpfälzer Ortes Wackersdorf errichtet werden solle. Diese Anlage sei „nicht gefährlicher als eine Fahrradspeichenfabrik“, meinte damals Strauß. In den folgenden acht Jahren fanden in der Oberpfalz die bis dato größten Demonstrationen, die größten Polizeieinsätze und das größte Rockkonzert in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland statt. Anfang 1985 wurde der Bau der WAA in Wackersdorf beschlossen, die ersten Rodungsarbeiten im Taxöldener Forst begannen im Dezember 1985, im Mai 1989 wurden die Bauarbeiten allerdings eingestellt.

Ein objektives Gesamtbild der Ereignisse zu vermitteln, ist auch über zwei Jahrzehnte nach dem Aus der WAA Wackersdorf nicht möglich. Dass der Hörer trotzdem nicht den Überblick verliert, ist der chronologischen und thematischen Gliederung des Hörbuches zu verdanken. Das Feature ist allerdings keineswegs ein Hörgenuss für Nebenbei-Tätigkeiten im Haushalt. Es verlangt vielmehr ein konzentriertes Zuhören. Unabdingbar ist auch die Inhaltsangabe im Begleitheft. Nur dort erfährt man nämlich wer gerade spricht. Und wer alles spricht! Befürworter und Gegner, Journalisten und Juristen, Regional- und Bundes-Politiker, Wissenschaftler und Musiker, Polizisten und Anwohner, Pfarrer und Demonstranten, Hausfrauen und Unternehmer, Schriftsteller und Professoren. Und so reiht sich ein Zeitzeugen-Originalton an den anderen, aus allen Lagern, von Befürwortern und Gegnern. Ein Hör-Feature der besonderen Art, gerade weil auf jede Einleitung oder Erklärung verzichtet wird.

„Der Fahrradspeichenfabrikkomplex“ wurde wohl auch deshalb 2010 für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert.

Aus der Begründung:

„Das Hörbuch ist ein umfangreiches Feature mit ungewöhnlicher Herangehensweise. Begründet wird diese von den Autoren mit der Unmöglichkeit objektiver Berichterstattung. Der »Fahrradfabrikspeichenkomplex« motiviert zur tieferen Beschäftigung mit der Thematik.“

(Jury des Deutschen Hörbuchpreises 2010)

Dem Verlag kann man nur zu dieser Doppel-CD gratulieren.

Link zum Interview mit Dieter Lohr:

Der Meister und Margarita: Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Michail Bulgakow

51xmbosi-kl__sy493_bo1204203200_

WERBUNG: Hörspiel, 10 CDs, Laufzeit: 11 h 32 – Verlag: Der Hörverlag – Preis: 29,99 Euro

 

 

Dies ist keine Rezension im eigentlichen Sinne, sondern einfach nur mein ganz persönlicher Begeisterungs-ausbruch über diese mehr als gelungene Literaturadaption, die in der Hörspielgeschichte ihresgleichen suchen dürfte. Ganz großes Hör-Kino!

Worum geht´s?

Im Moskau der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist der Teufel los: Ein gewisser Voland (Jürgen Holtz), Professor für Schwarze Magie, gibt zusammen mit seinen drei merkwürdigen Vasallen einige Vorstellungen in einem Varietétheater. Dabei stellt er die Moskauer Gesellschaft der stalinistischen Ära gründlich auf den Kopf, er foppt, blamiert und schädigt alle. Er treibt die Nomenklatura in den Wahnsinn und bringt nebenbei die halbe Stadt ins Gefängnis. An den Patriarchen-Teichen verliert ein Schriftsteller im wahrsten Sinne seinen Kopf, ein anderer verliert seinen Verstand. Nur zwei entgehen dem Chaos: der verzweifelte Schriftsteller, der sich „Meister“ nennt (Thomas Thieme) und seine Geliebte Margarita (Bärbel Röhl). Das Varietétheater erlebt unterdessen seine Jahrhundertvorstellung mit Voland. Viele Damen finden sich urplötzlich halb nackt auf den Moskauer Straßen wieder und alle schimpfen über verschwundene Geldscheine. Alles endet in den Flammen, während der „Meister“ seinem Schüler im Irrenhaus die Geschichte seines Buches über Pontius Pilatus erzählt. Diese Parallelgeschichte, sozusagen das „Buch im Buch“, wird in die Inszenierung geschickt eingeflochten. Es ist die philosophisch tiefgründige Geschichte über den grausamen Prokurator von Judäa Pontius Pilatus und die Tage rund um die Verhaftung und Verurteilung des Jesu von Nazareth. Von der Verurteilung bis hin zur Kreuzigung Jesu zeigt es einen leidenden, gequälten, zutiefst zerrütteten Prokurator (Jürgen Thormann); sie berichtet auch, wie er sich verzweifelt zu rechtfertigen sucht und sich dabei selbst belügt.

Es gibt aber noch eine dritte Erzählebene, die Verbindung zu Goethes Faust. Alle diese drei Ebenen eröffnen ein reiches Feld an Deutungen. Vieles davon bedarf historischer Kenntnisse, beispielsweise über die Stalin-Ära der 30er Jahre, auch über Religionsgeschichte (die biblische Passionsgeschichte), und natürlich verlangt es auch literarisches Hintergrundwissen, z.B. über Gogol und Dostojewski. Bulgakows Art der Satire erinnert teilweise an Gogol. Die Charaktere sind mitunter sehr markant gezeichnet, die ebenso Dostojewski als literarisches Vorbild erkennen lassen. Seine grotesken Darstellungen des Alltagslebens tragen oftmals fantastische oder absurde Züge. Stark und manchmal düster, voller Allegorien und bissiger Ironie, mitunter verwirrend, dann wieder komisch, immer jedoch reich an Bildern. Diese Art Gesellschaftskritik zu üben, hat in der russischen Literatur eine lange Tradition. Die hier inszenierte, eng ans Original angelehnte Hörspielversion, bringt dem Zuhörer das Werk auf sehr unmittelbare Weise nahe. Die Geschichte strotzt nur so vor religiösen und politischen Anspielungen, dass einem manchmal ganz schwindelig wird. Die fabelhafte Verzahnung der Ebenen erzeugt Spannung, Ironie und Witz. Alles in allem zeigt sich das Werk auch in dieser Hörspielfassung als teuflisches Meisterwerk der russischen Avantgardeliteratur. Die vielschichtige Interpretation des Satans und seiner Vasallen (hierbei ganz besonders des Katers: Hermann Beyer), ebenso wie die des Pilatus und des Apostels Matthäus (Martin Reinke) ist dennoch nicht einfach zu verstehen. Dass das Werk in der Stalin-Ära nur in Teilauszügen erhältlich war und zensierte Passagen ausschließlich im Samisdat kursierten, ist allerdings nachvollziehbar. Der damalige sowjetische Staats- und Kulturbetrieb wird gnadenlos bloßgestellt. Aber die Reichweite des Werks geht weit über den inzwischen untergegangenen kommunistischen Staat hinaus. Die angeprangerte Kleinbürgerlichkeit und die Borniertheit ihre Epigonen begleiten uns heute noch und haben nichts von ihrer Bedeutung verloren.

Es ist ein Hörbuch, das man sich unbedingt mehrfach anhören sollte, um jedes Detail besser verstehen zu können. Als Hörspielinszenierung bereitet es konzentriertes und zugleich faszinierendes Vergnügen. Wie bereits das Lesen des Romans, so eignet sich auch das Hörspiel nicht fürs Nebenbei anhören. Zeiten, Orte, Ebenen, Figuren und auch Spielszenen wechseln in rascher Folge. Dass ist keine leichte Kost, ganz sicher aber mit die beste, die es zu hören gibt. Wenn jemals eine Top-Ten-Liste der besten Hörbuchproduktionen erstellt werden sollte, die jeder im Leben zumindest einmal angehört haben sollte, dann wäre Der Meister und Margarita auf jeden Fall darauf zu finden.

Der Regisseurin Petra Meyenburg gebührt höchstes Lob für die Hörspielbearbeitung dieses Romans. Der Zugang zu Bulgakows phantastisch-komischem Werk, ist durch ihre Texteinrichtung und Regieführung um ein Vielfaches einfacher geworden.

Auf 10 CDs und knapp 700 Minuten Spieldauer gelangt der Hörer in den Genuss eines der wichtigsten russischen Romane des 20. Jahrhunderts. Allerdings gibt es doch einen kleinen Wermutstropfen: Einige Orts- und Namensbezeichnungen wurden von den Sprechern falsch betont. Die Regisseurin hätte sich vor den Aufnahmen bei einem russischen Native Speaker nach der korrekten Aussprache erkundigen müssen.

Für die Hörspielmusik, die jedes Kapitel einleitet, zeichnete Uwe Hilprecht verantwortlich. Seine Musik und die Hintergrundgeräusche passen sich ebenfalls sehr gut der Handlung und den Charakteren an. Durch die Einfügung seiner unaufdringlichen und gekonnten Kompositionen bleibt den Sprechern genügend Freiraum, die unterschiedlichen Facetten ihrer jeweiligen Charaktere gekonnt herauszuarbeiten. Es wurde wohltuend sparsam mit Geräusch umgegangen, umso mehr mit Musik und viel Feingefühl für Ironie, Komik und Wirkung auf die Darstellung der einzelnen Charaktere arrangiert.

(per)

Hörspiel mit Jürgen Hentsch als Erzähler, Thomas Thieme als Meister, Jürgen Holtz als Voland, Jürgen Thormann als Pontius Pilatus, Gert Haucke als Kaiphas, Daniel Minetti als Besdomny, Wolfgang Jakob als Berlioz, Dieter Mann als Afranius und Winfried Glatzeder als Jeschua, u. v. a.

Regie: Petra Meyenburg

Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 1998

(10 CDs, Laufzeit: 11 h 32)