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Friesenkunst: Ostfriesen-Krimi von Stefan Wollschläger

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WERBUNG: Seiten: 285 – Verlag: BookRix – Preis: 1,99 Euro

Der Ostfriesenkrimi Friesenkunst ist der erste Fall von Diederike Dirks in Ostfriesland. Für manche Leser kommt sicher der Begriff „Friesen“ allein in diesem einen Satz etwas zu häufig vor, aber davon sollten Sie sich nicht abschrecken lassen. Diese Friesentitel-Manie wurde von Klaus-Peter Wolf ausgelöst und findet inzwischen unzählige Nachahmer –sicher wird sie bald auch wieder vergehen. Vermutlich erhoffen sich einige Autoren, auf dieser Welle eine Zeitlang erfolgreich mitzuschwimmen. Einen anderen Grund kann ich hierfür nicht erkennen. Sei´s drum! Konzentrieren wir uns lieber auf den Inhalt dieses Krimis?

Iba kehrt nach dem Ende ihrer zerrütteten Ehe ins beschauliche Ostfriesland zurück. Dort trifft sie auch ihre alte Schulfreundin Diederike, die inzwischen Kriminalhauptkommissarin ist. In der Nähe einer Meerbude (das sind kleine Wochenendhäuschen an den Kanälen der ostfriesischen Binnenseen) wird die Leiche eines verschrobenen, menschenscheuen aber regionalbekannten Malers aus Bensersiel entdeckt. Das Einzige, was er bei sich hat, ist eine Eintrittskarte der Kunsthalle Emden. Hauptkommissarin Diederike Dirks verfolgt mehrere Spuren, aber je tiefer sie gräbt, desto unklarer wird das Motiv für den ausgeführten Mord. Sie muss feststellen, dass der Kunstmaler Redolf Tammena von einem Profi getötet wurde – ein Täter, der seine Spuren sorgsam verbirgt. Es gibt zwar viele Verdächtige in dem Fall, aber das durchschlagende Motiv fehlt. Etwas Ablenkung findet sie bei ihrer alten Schulfreundin Iba Gerdes, die sich nach der Trennung von ihrem untreuen Ehemann eine Auszeit in Dornum verordnet hat. Allerdings bleibt Iba nicht lange Single. Sie verliebt sich Hals über Kopf in den smarten Egge, der allerdings auch in den Mord verwickelt sein könnte. Doch ist ihr neuer Freund wirklich der von Iba erhoffte Traumprinz? Hauptkommissarin Dirks hegt da ihre Zweifel. Spärliche Hinweise verwandeln diesen Fall in ein reines Puzzlespiel, bis die Kommissarin erkennen muss, dass die Lösung näher liegt, als ihr lieb ist. Sie stößt endlich auf eine heiße Spur, und die Ereignisse überschlagen sich. Als noch ein zweiter Mord passiert, nimmt der Fall eine überraschende Wende.

Stefan Wollschläger erzählt unterhaltsam und packend. Sein lebendiger und bildhafter Schreibstil lässt keine Langeweile aufkommen. Er bettet die Story in einen durchgängigen Spannungsbogen und sorgt so für ein anregendes Leseerlebnis. Die beschriebenen Figuren wirken natürlich, sind sympathisch und absolut lebendig. Der Autor schafft es mit feinem Gespür, den Leser erst mal auf eine falsche Fährte zu lenken. Anfangs erscheint die Handlung auf den ersten Blick recht einfach und man glaubt bald den Mörder zu kennen, aber natürlich kommt bald doch alles ganz anders. Die Spannung und Dramatik wird am Schluss noch einmal richtig gesteigert. Was ich aber gar nicht gut ab kann, sind solche Formulierungen, wie beispielsweise „sie hatten zwei Becher Kaffee vor sich zu stehen“. Das wirkt einfach zu umgangssprachlich! Dieses Buch wurde immerhin mit dem e-ditio Qualitätssiegel für ein hochwertiges Lektorat ausgezeichnet. Es hat beim e-ditio Independent Publishing Award 2016 den zweiten Platz gewonnen. Hab ich da irgendwas nicht richtig verstanden?

Mir hat besonders gut gefallen, dass der Krimi in der Kunstszene spielt. Es werden Gemälde beschrieben, die tatsächlich existieren. Dadurch wurde für mich die Geschichte gleich viel greifbarer und anschaulicher.

Fazit:

Ich besuche regelmäßig die verschiedenen Ausstellungen in der Emdner Kunsthalle. Seitdem ich diesen Krimi gelesen habe, betrachte ich eines der bekanntesten Gemälde aus der Kunstsammlung mit besonderem Interesse. Ich werfe jedes Mal einen prüfenden Blick auf Franz Marcs „Die blauen Fohlen“ und kann mir dabei ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.

(per)