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Die Erzählungen des Dr. John H. Watson: Short Mystery Stories von Sir Arthur Conan Doyle – 1. Band

WERBUNG: 175 Seiten – Verlag: ebuchedition words & music – Preis: 2,99 EURO

Um sein Medizinstudium zu finanzieren, begann Arthur Conan Doyle mit der Schriftstellerei. Seine erste Holmes/Watson-Geschichte »A Study in Scarlet« hatte er bereits im Jahr 1887 veröffentlicht. Dies war der Beginn der berühmten Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten, und für Conan Doyle war es der Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn. Bereits zwei Jahre zuvor wurde ihm der Doktortitel verliehen und er eröffnete daraufhin eine eigene Praxis in Southsea/Portsmouth. Diese brachte ihm allerdings nicht genügend Patienten ein, und so stand ihm ausreichend Zeit zur Verfügung, um weiterhin seinen schriftstellerischen Neigungen nachzugehen. Selbstverständlich versuchte er an seinen ersten großen Erfolg mit dem Gespann Holmes/Watson anzuknüpfen. Es ist also relativ naheliegend, das Doyle als praktischer Arzt und Mediziner mit der fiktiven Figur des Doktor Watson sein Alter Ego erschuf. Aber als literarisches Vorbild für den Haupthelden Sherlock Holmes lag ebenso eine ganz reale Persönlichkeit aus dem direkten Umfeld des Autors zugrunde. Den ersten Sammelband »Die Abenteuer des Sherlock Holmes« widmete Doyle dem schon damals berühmten Mediziner Joseph Bell. Dieser Mann war ein schottischer Chirurg, Kinder- und Militärarzt. Er gilt heute als Pionier der Forensik. Dr. Bell soll seine Patienten damit erstaunt haben, dass er bereits erste Diagnosen erstellte, noch bevor seine Patienten ihm ihr Anliegen schilderten. Er betrachtete und beobachtete seine Mitmenschen so genau und zog daraus seine Schlüsse, wie wir es auch vom Meisterdetektiv Holmes her kennen. Im Mai 1892 schrieb Doyle an Bell: „Sherlock Holmes habe ich ganz eindeutig Ihnen zu verdanken.“

Sir Arthur Conan Doyle entführt uns ins atmosphärische London um 1900. Vom Regen glänzendes Kopfsteinpflaster im Dämmerlicht. Pferdegetrappel von vorüberfahrenden Kutschen hallt durch die Gassen. In der Nacht zwielichtige Beleuchtung durch die viktorianischen Straßenlaternen. Das London dieser Zeit verbreitet eine ganz besondere Stimmung, die eine nahezu perfekte Phantasiekulisse für spannende Kriminalgeschichten bildet. Doktor Watson ist stets der wichtige Freund und ständige Begleiter an der Seite des Detektives, aber zugleich auch sein Chronist und damit der eigentliche Geschichtenerzähler. Er schreibt alle Fälle auf, welche Sherlock Holmes mit einem unglaublichen Scharfsinn analysiert und schließlich löst. Die Kriminalgeschichten sind absolut kurzweilig und auch heute noch sehr lesenswert. Dass es so viele Kurzgeschichten gibt, liegt daran, dass sie ursprünglich in Zeitungen in Folgen veröffentlicht wurden.

Ich bin selbst ein sehr großer Fan von Sir Arthur Conan Doyle und besitze auch schon seit vielen Jahren eine Gesamtausgabe seiner Bücher, da ich jedoch die Kurzgeschichten auch sehr gern für unterwegs griffbereit haben wollte, kam mir diese E-Book-Ausgabe gerade wie gerufen. Auch für Neueinsteiger, die noch nicht genau wissen, ob sie Gefallen an den klassischen Kriminalgeschichten finden werden oder nicht, empfehle ich diese Ausgabe für einen sehr guten Leseeinstieg, denn es gibt noch einen zweiten ganz wesentlichen Punkt, der mich sehr positiv überrascht hat.

Die Neuübersetzung aus dem (inzwischen sehr angestaubten) Alt-Englischen der Originalausgabe ist tadellos gelungen.

Es flattern ja durch das Internet unzählige alte und ebenso verstaubte Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche, denen man dies in Wortwahl und Rechtschreibung deutlich anmerkt. Man kann dies vielleicht als Leser mit einem humoristischen Augenzwinkern zur Kenntnis nehmen, aber ein wirklicher Lesegenuss wird sich wahrscheinlich nicht einstellen. In dieser Neuübersetzung und liebevollen wie auch kenntnisreichen Bearbeitung ist jedoch nichts von dem verloren gegangen, welches auch dem Originaltext innewohnt. Vom Schreibstil her ist dieses Buch daher anspruchsvoller zu lesen, als etwa die deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1930 der Franckh’sche Verlagshandlung, die dieser Ausgabe inhaltlich zugrunde liegt.

Wenn man jedenfalls irgendwann anfängt Sherlock Holmes zu lesen, ist es für den optimalen Genuss wichtig, möglichst von vorn zu beginnen und anschließend die richtige Reihenfolge einzuhalten. Demnächst erscheint der 2. Band dieser Reihe mit weiteren Kriminalgeschichten, die dann auch auf die zuvor veröffentlichten Holmes/Watson-Abenteuer aufbauen.

Sir Arthur Conan Doyles Protagonisten Sherlock Holmes und Doktor Watson wurden durch seine Werke zu unsterblichen Figuren, die auch heute noch von vielen Krimilesern in aller Welt gelesen werden. Die Geschichten sind sehr unterhaltsam und begeistern schon seit Generationen. Etwas frischer Wind kann deshalb durchaus nützlich sein, das diese Lesetradition nicht abreist, sondern auch an nachwachsende Generationen weitergebenen wird.

Meine Empfehlung: Diese Lektüre ist ideal geeignet, in der dunklen Jahreszeit mit einer Tasse Earl Grey auf der Couch zu genießen.