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Der Fahrradspeichenfabrikkomplex: Hörbuch von Angela Kreuz und Dieter Lohr

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WERBUNG: 2 Audio-CDs – Verlag: LOhrBär – Preis: 16,99 Euro

Am 3. Dezember 1980 erklärte der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß vor dem Landtag, die bayerische Staatsregierung prüfe, ob es in Bayern einen geeigneten Standort für eine atomare Anlage zur Aufarbeitung abgebrannter Kernbrennstäbe gebe. Bereits kurze Zeit später kamen erste Gerüchte auf, wonach eine solche WAA in der Nähe des Oberpfälzer Ortes Wackersdorf errichtet werden solle. Diese Anlage sei „nicht gefährlicher als eine Fahrradspeichenfabrik“, meinte damals Strauß. In den folgenden acht Jahren fanden in der Oberpfalz die bis dato größten Demonstrationen, die größten Polizeieinsätze und das größte Rockkonzert in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland statt. Anfang 1985 wurde der Bau der WAA in Wackersdorf beschlossen, die ersten Rodungsarbeiten im Taxöldener Forst begannen im Dezember 1985, im Mai 1989 wurden die Bauarbeiten allerdings eingestellt.

Ein objektives Gesamtbild der Ereignisse zu vermitteln, ist auch über zwei Jahrzehnte nach dem Aus der WAA Wackersdorf nicht möglich. Dass der Hörer trotzdem nicht den Überblick verliert, ist der chronologischen und thematischen Gliederung des Hörbuches zu verdanken. Das Feature ist allerdings keineswegs ein Hörgenuss für Nebenbei-Tätigkeiten im Haushalt. Es verlangt vielmehr ein konzentriertes Zuhören. Unabdingbar ist auch die Inhaltsangabe im Begleitheft. Nur dort erfährt man nämlich wer gerade spricht. Und wer alles spricht! Befürworter und Gegner, Journalisten und Juristen, Regional- und Bundes-Politiker, Wissenschaftler und Musiker, Polizisten und Anwohner, Pfarrer und Demonstranten, Hausfrauen und Unternehmer, Schriftsteller und Professoren. Und so reiht sich ein Zeitzeugen-Originalton an den anderen, aus allen Lagern, von Befürwortern und Gegnern. Ein Hör-Feature der besonderen Art, gerade weil auf jede Einleitung oder Erklärung verzichtet wird.

„Der Fahrradspeichenfabrikkomplex“ wurde wohl auch deshalb 2010 für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert.

Aus der Begründung:

„Das Hörbuch ist ein umfangreiches Feature mit ungewöhnlicher Herangehensweise. Begründet wird diese von den Autoren mit der Unmöglichkeit objektiver Berichterstattung. Der »Fahrradfabrikspeichenkomplex« motiviert zur tieferen Beschäftigung mit der Thematik.“

(Jury des Deutschen Hörbuchpreises 2010)

Dem Verlag kann man nur zu dieser Doppel-CD gratulieren.

Link zum Interview mit Dieter Lohr: